Was heute mit digitalen Geräten möglich ist, war vor zehn Jahren noch undenkbar. Doch prägt die Digitalisierung längst unseren Alltag und wir leben in einer Welt, wo alles smart sein muss. Das geht von der Uhr, über den Fernseher bis zur Stadt. Smarte Gadgets sind überall zu finden. Doch was heisst das eigentlich genau, smart sein und welche Auswirkungen hat dies auf unsere Gesellschaft?
Selina Meier
Intelligente Geräte, wie z.B. der Fernseher, prägen das persönliche und berufliche Leben. Smart Homes sind mit verschiedensten Funktionen ausgestattet, welche das Leben erleichtern sollen, damit wirbt zumindest die Swisscom. Mit gezielt eingesetzten Sensoren lässt sich die Schlafqualität überwachen und informiert das Gerät über Unregelmässigkeiten. Weiter passen sich Lichtquellen im Wohnbereich oder auch Musik Playlists den persönlichen Bedürfnissen an. Zudem kann dies auch auf die Wassertemperatur, den Wecker oder sogar die Rollläden erweitert und optimiert werden. Ist dies für uns Menschen nicht ein wenig unheimlich, wenn Alltägliches von intelligenten Geräten übernommen wird? Mit einem smarten Zuhause wird alles individualisiert, alles ausser der „schönen“ Dinge, wirbt die Swisscom weiter, diese werden vorerst den Menschen überlassen. Das Leben möchte man schliesslich nicht der Technik überlassen. Doch hat man dies bereits, im Moment noch in einem eher bescheidenen Ausmass getan. Schliesslich hört es beim smarten Wohnen nicht auf.
Ständige Begleiter
Das smarte Zuhause verlässt man beispielsweise, wenn man zur Arbeit geht. Das intelligente Smart-phone mit integriertem smartem Assistenten, ist dabei ein ständiger Begleiter. Mit dem Gerät, welches unseren Alltag definitiv revolutioniert hat, ist man ständig und überall erreichbar. Steve Jobs hat uns das iPhone vor über zehn Jahren vorgestellt, aber heute ist es längst nicht mehr das von 2007: Es kann viel mehr. Beispielsweise kann man über Bluetooth mit ihm die smarte Uhr verbinden. Auch eine Uhr kann heute viel mehr, als nur die Zeit anzeigen. Smartphone und Smart Watch überwachen dich, teilen dir mit, ob du genügend Schritte gemacht hast, welche Herzfrequenz du hast und X-Sachen mehr, die du auch auf deine individuellen Bedürfnisse anpassen kannst.
Smart = überwacht? – Song-do City
Bei den persönlichen Gegenständen hört es aber längst nicht auf. Städte sollen ebenfalls so effizient, grün und technologisch so fortgeschritten wie nur möglich sein. Das geht von der Wirtschaft bis zu der Mobilität und der Umwelt, das Gesamtpaket muss stimmen. Nehmen wir Seoul in Südkorea als Beispiel: Das Finanz- und Kulturzentrum mit rund zehn Millionen Einwohner hat keinen Platz für den urbanen Neuanfang – so findet dieser 40km westlich der Stadt statt. Wo die smarte Stadt Song-do City entsteht, welche von Grund auf neu errichtet wurde. Schon heute arbeiten in dieser Modellstadt Menschen aus der ganzen Welt. Gesteuert wird sie durch ein riesiges Computernetzwerk. Öffentliche Gebäude und alle Wohnungen sind mit intelligenten Zählern ausgerüstet, welche den Bewohnern helfen sollen, ihren Verbrauch von beispielsweise Energie zu kontrollieren und zu optimieren. Die Daten werden an städtische Mitarbeiter gesendet, welche an Knotenpunkten der Stadt jeden Energieverbrauch in Echtzeit sehen und die Produktion von Energie so an den Verbrauch anpassen können, berichtet die ARD. Alles wird zentral gesteuert und ist miteinander verbunden. Sogar die Müllentsorgung wird intelligent geregelt: Wer, wann und welchen Müll einwerfen darf. Bei so einer smarten Stadt, darf aber nicht vergessen werden, dass die Automatisierung mit einem Überwachungssystem daherkommt. Wo zieht man hier die Grenzen?
Was bringt die smarte Zukunft?
Das Leben rund um den Menschen wird immer smarter, doch irgendwann geht die Menschlichkeit verloren. Verschiedene Studien berichten davon, dass der Gebrauch des Smartphones zu schweren gesundheitlichen Problemen führen kann. Eine Studie aus dem Jahr 2014 zeigt beispielsweise, dass das ständige über das Display beugen sogar zu einer vorzeitig gealterten Halswirbelsäule führen kann. Weiter zeigt eine Studie von 2018, welche in der Fachzeitschrift „Environment Health Perspectives“ veröffentlicht wurde, dass die Strahlendosis von dem Smartphone bei Jugendlichen einen Einfluss auf das zentrale Nervensystem haben kann. Auch die aktuelle Diskussion über 5G ist hierbei sicherlich berechtigt. Eine weitere Problematik ist auch, dass man sich schnell einmal von den Geräten überlegen fühlt. Die industrielle Revolution haben wir schon lange hinter uns gelassen, doch scheinen wir mit der digitalen Revolution von einem ähnlichen Problem betroffen: Maschinen ersetzen menschliche Arbeit. Zu Beginn sprach ich davon, dass von den Anbietern häufig das Ziel verfolgt wird, nicht ins Leben einzugreifen, und die schönen Dinge den Menschen zu überlassen. Aber gehört es nicht doch auch mit dazu, selbst Dinge zu entscheiden und Gewohnheiten zu ändern – wie reagieren Geräte auf Veränderungen? Vor ein paar Jahren waren Dinge, die heute normal sind, noch unvorstellbar. Ich frage mich, was wir in fünf Jahren beim Zurückdenken belächeln.
*Titelbild: Sean Foley
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