Treffpunkt Mittelmeer und Atlantik: Eine berührende Reisereportage

Steile Klippen am türkisblauen Meer, grüne Nationalparks und historische Bauten – der Süden Spaniens hält eine Vielzahl an Perlen für Besucher bereit. Hier in Tarifa trifft das Mittelmeer auf den Atlantik, während Wassersportler über die Wellenkämme rasen.

Salome Kern

Das Meer ist ruhig, kleine Wellen tragen weissen Schaum über das Wasser. Am Horizont ragen hohe Berge in den Himmel und durch einen sanften Dunstschleier ist eine Hafenstadt auf der anderen Seite des Meeres sichtbar. Nur 14 Kilometer trennen hier Europa von Afrika – an keinem anderen Ort kommen sich die beiden Kontinente so nahe.

Tarifa ist eine kleine Küstenstadt im Süden Spaniens. Rund 18’000 Einwohner leben hier, wo das Mittelmeer auf den Atlantischen Ozean trifft. Kleine Gässchen winden sich durch die Altstadt Tarifas, die im für die Region typischen Weiss daherkommt. Touristen schlendern durch die Strassen, bewundern die hübschen Orangenbäume und geniessen Tapas. Ihre Haare fliegen in jede Richtung und die Brise bringt eine angenehme Frische auf die Haut.

Obwohl Tarifa ein durchaus touristischer Ort ist, prägen kleine Hotels, Hostels und Campingplätze das Bild. Dies ist unter anderem dem höchsten andalusischen Gericht zu verdanken: Sie stoppten 2018 Investoren, die im Naturschutzgebiet und direkt am Strand ein Bauprojekt planten.

Wind und Wellen begeistern Wassersportler

Tarifa ist bekannt für den Wind – obwohl es kein echter Wind ist, sondern ein Effekt. Dabei sucht sich die Luft den einfachsten Weg zwischen dem mit Bergen gespickten Festland über die Strasse von Gibraltar, wie diese Meeresenge genannt wird. Das Gefühl aber bleibt dasselbe. Nicht bei den Kitesurfern, die sich massenhaft auf dem Wasser tummeln, sie kennen den Unterschied in der Luft. Für sie ist Tarifa das Wind-Mekka Europas. Beim Kitesurfen steuert der Surfer mit einem Kite über das Wasser, Fortgeschrittene wagen Sprünge und Drehungen, bei denen es dem Amateur kalt über den Rücken läuft.

Sogar im Winter ist die Temperatur angenehm warm, sodass sie sich mit Wetsuit, Kite und Board ins Meer stürzen. Auch andere Wassersportler lieben die Bedingungen von Tarifa: Windsurfer, Wingfoiler, Stand-up-Paddler und die Surfer teilen sich die kilometerlangen Sandstrände rund um Tarifa. Enge herrscht dabei nur auf dem Wasser, dank der Länge und der Fülle an verschiedenen Buchten verteilen sich die Touristen an den Stränden.

Wandern, klettern und Wale beobachten

Es ist die Fülle an sportlichen Aktivitäten, die Tarifa zu einem beliebten Ferienziel machen. Spaziergänge der Küste entlang, Wanderungen in den Bergen, Mountainbike-Touren oder Klettern am Felsen – die Umgebung vereint alles, was sich Outdoor-Begeisterte wünschen. Die Stadt selbst klebt direkt am Meer, hinter ihr macht sich eine grüne und hügelige Landschaft auf. An den meisten Tagen drehen die gigantischen Windräder im Wind, während die Sonne scheint. Von den Bergspitzen aus ist die Aussicht atemberaubend: Ist die Luft klar, kann man die marokkanische Küste und der Jbel Musa, der Mosesberg, im Hintergrund sehen.

In der Umgebung von Tarifa gibt es viel zu entdecken. Unternehmen bieten Ausfahrten an, um Wale und Delfine im offenen Meer zu beobachten. Nationalparks, in denen kräftige Pinienbäume aus dem Sand wachsen, steile Klippen über dem blaugrünen Meer und Strände mit hohen Sanddünen soweit das Auge reicht. Wer gerne draussen ist, erfährt in Tarifa also bestimmt keine Langeweile. Historisch Interessierte besuchen das Castillo de Guzmán, das für den Übergang von der Antike zum Mittelalter steht oder bewundern Puerta de Jerez, das letzte der drei ehemaligen Stadttore.

Tapas: andalusischer Schinken und Rotwein

Auch am Abend ist für Programm gesorgt. Die Küstenstadt in der Provinz Cádiz ist voll mit Bars, Restaurants und einem regen Nachtleben. In der Hochsaison im Sommer sind die Strassen voll, während in der Nebensaison viel geschlossen ist. Die regionale Küche, die besonders auch Tapas einschliesst, ist aber in jeder Saison ein Höhepunkt. Der andalusische Schinken – Ibérico oder Serrano – ist ein Genuss und die Auswahl an Meeresfrüchten lässt das Wasser im Mund zusammenlaufen. Vegetarier kommen dank Spezialitäten aus Ziegenkäse und aromatischem Gemüse auf ihre Kosten. Ein Glas des hervorragenden spanischen Rotweins darf dazu nicht fehlen.

Als Tourist hat man so die Wahl zwischen einem lebhaften Tarifa mit zahlreichen Aktivitäten oder einem ruhigen Tarifa mit vergleichsweise leeren Strassen. Beides hat seinen Reiz – auch von der Temperatur her. Im Sommer kann es heiss werden, wenn der Wind nicht bläst. Im Winter ist es mit durchschnittlichen 15 Grad angenehm für sportliche Unternehmungen.

Salome Kern
Salome Kern

Die Autorin

Salome Kern ist als freiberufliche Journalistin und Texterin unterwegs. Sie lebt in einem Campervan und reist durch Europa – stets auf der Suche nach den schönsten Plätzen.

Titelbild: Auch die umliegenden Dörfer und Städte wie Jerez de la Frontera sind einen Besuch wert. Bild Salome Kern

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